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Die Frage „Stromheizung oder Gasheizung?“ stellen sich aktuell viele Haus- und Wohnungsbesitzer. Steigende Energiepreise, neue Gesetze und der Wunsch nach mehr Unabhängigkeit sorgen für Unsicherheit. Gleichzeitig gibt es keine einfache Antwort, die für alle passt.
Vielleicht stehst du vor einem Neubau, einer Sanierung oder überlegst, deine alte Heizung zu ersetzen. Dann willst du wissen, welche Lösung heute sinnvoll ist und welche auch in ein paar Jahren noch passt. Genau hier wird der Vergleich wichtig.
Ich schaue mir beide Heizarten nüchtern und praxisnah an. Nicht mit Versprechen, sondern mit realistischen Einschätzungen. Ziel ist, dass du am Ende besser einschätzen kannst, welcher Heiztyp zu deinem Gebäude, deinem Budget und deinem Alltag passt.
Grundprinzipien im Überblick: So funktionieren Strom- und Gasheizungen

Gasheizungen erzeugen Wärme durch die Verbrennung von Erdgas. Die entstehende Hitze erwärmt Wasser, das über Heizkörper oder Fußbodenheizung im Haus verteilt wird. Moderne Brennwertgeräte nutzen zusätzlich die Abwärme aus den Abgasen und arbeiten dadurch recht effizient.
Stromheizungen funktionieren anders. Hier wird elektrische Energie direkt in Wärme umgewandelt. Das kann über Heizlüfter, Konvektoren, Nachtspeicher oder Infrarotheizungen passieren. Es gibt kein Wasser, keine Rohre und keine Verbrennung.
Die Unterschiede zeigen sich schnell:
- Gas: zentrales System, Wärmeverteilung über Heizkreislauf
- Strom: dezentrale Geräte, Wärme entsteht direkt im Raum
- Gas benötigt Abgasführung und Gasanschluss
- Strom braucht nur einen passenden Stromanschluss
Gasheizungen liefern gleichmäßige Wärme für ganze Gebäude. Stromheizungen sind einfacher aufgebaut und reagieren schneller, eignen sich aber oft besser für einzelne Räume oder bestimmte Nutzungsszenarien.
Anschaffungs- und Installationsaufwand realistisch vergleichen
Bei den Anschaffungskosten liegt die Stromheizung meist vorne. Einzelne Geräte sind günstig, schnell montiert und benötigen keine aufwendige Installation. Gerade in kleinen Wohnungen oder Ferienhäusern ist das ein großer Vorteil.
Eine Gasheizung kostet deutlich mehr. Neben dem Heizgerät selbst kommen Kosten für:
- Gasanschluss oder Tank
- Abgasleitung
- Heizungsrohre und Heizkörper
- Installation und Inbetriebnahme
Dafür bekommst du ein zentrales System, das das ganze Haus versorgt. Bei Neubauten oder Komplettsanierungen ist der Einbau oft gut planbar. In Bestandsgebäuden kann es dagegen teuer werden, vor allem wenn noch keine Gasinfrastruktur vorhanden ist.
Stromheizungen punkten bei Flexibilität. Du kannst Räume einzeln ausstatten und später nachrüsten oder tauschen. Das senkt die Einstiegskosten, kann sich aber langfristig relativieren, wenn viele Geräte benötigt werden.
Laufende Kosten und Preisrisiken: Stromtarife, Gaspreise und Abhängigkeiten
Die laufenden Kosten sind für viele das wichtigste Entscheidungskriterium. Hier kommt es stark auf die Nutzung und die Energiepreise an. Gas war lange günstiger, ist aber preislich deutlich schwankender geworden.
Strom ist pro Kilowattstunde teurer, wird aber effizienter genutzt, weil kaum Verluste entstehen. Trotzdem gilt:
- Gasheizung: meist niedrigere Betriebskosten bei Dauerbetrieb
- Stromheizung: höhere Kosten bei dauerhaftem Heizen
Dazu kommt die Abhängigkeit vom Markt. Gaspreise hängen stark von politischen und globalen Faktoren ab. Strompreise sind ebenfalls volatil, lassen sich aber teilweise beeinflussen, etwa durch:
- spezielle Heizstromtarife
- Photovoltaik auf dem eigenen Dach
- zeitgesteuertes Heizen
Wer viel und konstant heizt, fährt mit Gas oft günstiger. Wer nur zeitweise oder raumweise heizt, kann mit Strom sinnvoll unterwegs sein, vor allem bei guter Steuerung.
Effizienz, CO₂-Bilanz und Zukunftssicherheit der Heizsysteme

Effizienz bedeutet nicht nur wenig Verbrauch, sondern auch geringe Verluste. Gasheizungen mit Brennwerttechnik arbeiten technisch ausgereift, stoßen aber CO₂ aus. Das bleibt ein zentraler Nachteil.
Stromheizungen verursachen vor Ort kein CO₂. Wie klimafreundlich sie sind, hängt davon ab, wie der Strom erzeugt wird. Mit Ökostrom oder eigener PV-Anlage verbessert sich die Bilanz deutlich.
Zukunftssicherheit spielt ebenfalls eine Rolle:
- Gas wird politisch zunehmend eingeschränkt
- neue Gasheizungen unterliegen strengeren Regeln
- Stromheizungen sind einfacher zu integrieren
Langfristig profitieren strombasierte Systeme vom Ausbau erneuerbarer Energien. Gasheizungen können zwar noch viele Jahre laufen, stehen aber stärker unter regulatorischem Druck. Wer heute neu plant, sollte das im Hinterkopf behalten.
Gebäude, Nutzung und Sanierungsstand: Wann welcher Heiztyp besser passt
Ob Strom oder Gas sinnvoll ist, hängt stark vom Gebäude ab. Ein gut gedämmtes Haus mit wenig Heizbedarf kommt mit Strom deutlich besser zurecht als ein unsaniertes Altbauhaus.
Typische Faustregeln:
- Neubau oder sehr gute Dämmung → Strom kann sinnvoll sein
- Altbau mit hohem Wärmebedarf → Gas oft praktikabler
- selten genutzte Räume → Stromheizung flexibel einsetzbar
Auch dein Nutzungsverhalten zählt. Heizung rund um die Uhr oder nur abends? Einzelne Räume oder das ganze Haus? Stromheizungen spielen ihre Stärke aus, wenn gezielt und zeitlich begrenzt geheizt wird.
Gasheizungen sind dagegen auf Dauerbetrieb ausgelegt. Sie liefern gleichmäßige Wärme, brauchen aber Zeit zum Aufheizen. Das passt gut zu klassischen Wohnhäusern mit konstantem Bedarf.
Kombinationen und Alternativen: Wärmepumpe, PV und hybride Lösungen
In der Praxis entscheidet man sich nicht immer für „entweder oder“. Kombinationen werden immer beliebter. Eine Gasheizung kann zum Beispiel durch Stromlösungen ergänzt werden.
Typische Kombinationen sind:
- Gasheizung + Infrarotheizung in einzelnen Räumen
- Stromheizung + Photovoltaik
- Gas als Übergangslösung mit späterem Umstieg
Auch Wärmepumpen spielen eine wichtige Rolle. Sie arbeiten mit Strom, nutzen aber Umweltwärme und sind deutlich effizienter als klassische Stromheizungen. Allerdings sind sie nicht für jedes Gebäude geeignet.
Hybride Systeme bieten Flexibilität. Du kannst verschiedene Energiequellen nutzen und auf Preisänderungen reagieren. Das macht die Planung komplexer, eröffnet aber langfristig mehr Spielraum.
Fazit: Welche Heizung passt wirklich zu dir?
Ob Stromheizung oder Gas sinnvoller ist, hängt weniger von Technikdaten ab als von deinem persönlichen Umfeld. Dein Gebäude, dein Heizverhalten und deine Zukunftspläne sind entscheidend. Eine pauschale Empfehlung wäre unseriös.
Gasheizungen sind heute noch eine solide Lösung für viele Bestandsgebäude mit hohem Wärmebedarf. Stromheizungen punkten mit Einfachheit, Flexibilität und guter Kombinierbarkeit mit erneuerbaren Energien. Beide Systeme haben ihre Berechtigung.
Spannend wird die Frage, wie du dich langfristig aufstellen willst. Willst du unabhängig werden? Schrittweise modernisieren? Oder erst einmal eine pragmatische Lösung finden? Genau hier lohnt es sich, zu rechnen, zu vergleichen und auch kleinere Tests zu machen, etwa mit einzelnen Stromheizungen.
Mein Tipp: Bleib offen, informier dich regelmäßig und probiere Lösungen aus, die zu deinem Alltag passen. Technik entwickelt sich weiter – und deine Heizlösung darf das auch.
FAQ – Häufige Fragen zu Stromheizung und Gasheizung
Ist eine Stromheizung als alleinige Heizung überhaupt erlaubt?
Ja, grundsätzlich ist das erlaubt. Es gibt kein generelles Verbot für Stromheizungen. Entscheidend ist, ob das Gebäude die energetischen Anforderungen erfüllt. In gut gedämmten Häusern oder bei geringem Heizbedarf ist eine Stromheizung problemlos möglich.
Darf ich 2026 noch eine neue Gasheizung einbauen?
Ja, aber nicht uneingeschränkt. Neue Gasheizungen müssen bestimmte Vorgaben erfüllen, etwa zur Nutzung erneuerbarer Energien. In vielen Fällen sind Hybridlösungen oder eine spätere Umrüstung einzuplanen. Das macht Gas langfristig komplexer.
Sind Stromheizungen automatisch Stromfresser?
Nein, das ist ein verbreiteter Mythos. Stromheizungen sind technisch sehr effizient, weil fast 100 % des Stroms in Wärme umgewandelt werden. Teuer werden sie vor allem bei dauerhaftem Betrieb und hohem Wärmebedarf.
Welche Rolle spielt Photovoltaik bei der Entscheidung?
Eine sehr große. Eigener Solarstrom kann die Betriebskosten von Stromheizungen deutlich senken und macht sie wirtschaftlich attraktiver. Besonders bei zeitgesteuertem Heizen entsteht hier ein echter Vorteil.
Eignet sich eine Stromheizung auch für Familienhäuser?
Das kommt stark auf das Haus an. In gut gedämmten Neubauten kann das funktionieren. In älteren, unsanierten Gebäuden mit hohem Wärmebedarf ist Gas oft noch die praktischere Lösung.
Ist eine Kombination aus Gas und Strom sinnvoll?
Ja, in vielen Fällen sogar sehr sinnvoll. Gas kann die Grundlast übernehmen, während Stromheizungen gezielt einzelne Räume oder Zeiten abdecken. Das erhöht Flexibilität und reduziert Abhängigkeiten.


